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Menschen hinter Masken: #behindthemask

20. Mai 2021
Impuls
Berührende Einblicke in Zeiten der Pandemie. Dies kann man im Porträt-Bildband von Marcel Gregory Stock und Björn Eenboom mit Gesichtern von Menschen hinter Masken entdecken. In der Pandemie verschwinden Gesichter hinter Masken. Mit von der Partie ist Bischof Dr. Gerhard Feige vom Bistum Magdeburg.

Der Bildband #behindthemask zeigt diese wohl sichtbarste Folge der Corona-Zeit und ist damit ein spannendes Zeitdokument. Gesichtsausdrücke verraten mehr als Worte. Das Gegenüber sieht, ob jemand verärgert, traurig oder ratlos ist. Emotionen zeigen sich im Gesicht. Die Mund-Nasen-Maske verdeckt vieles. Und doch kann man mit Maske nicht alles verbergen. Die Augen sind wichtige Kommunikationspunkte. In Corona-Zeiten gehört Übung dazu mit der Maske umzugehen.

In manchen Autos baumeln sie am Rückspiegel oder lungern auf dem Esstisch herum. Viele Menschen mag das zwar nerven; trotzdem lässt sich erkennen, ob der oder die Andere mit einer bunten Maske großen Wert auf Mode legt, ob jemand nachlässig die eigene Nase heraushängen lässt oder der Mitwelt geschriebene Botschaften wie „Peace“ oder „Love“ präsentieren möchte. Lange Bartträger sind zudem gehandikapt, steht irgendwie einem sein Bart im Weg.

Sichtbare Folge der Pandemie

In dem Buch „#behindthemask“ dokumentiert der Fotograf Marcel Gregory Stock Gesichter, die hinter Masken verschwinden und dabei doch lächeln, oder traurig, resigniert, amüsiert dreinblicken. Die Fotos zeigen keine Menschen der Filmgeschichte. Hauptdarsteller seiner Kussszene sind Margarete und Bernhard Rompel, ein deutsches Rentnerpaar. Noch etwas ist anders als im Kino: Während die beiden ihre Lippen aufeinander pressen, tragen sie einen Mund-Nasen-Schutz. Maskengegner beklagen, die Menschen verstecken sich hinter Masken. Schutz bieten sie zudem nicht, weil die Viren damit noch weiterverbreitet werden. Menschen tragen seelische Masken. Sie geben nicht unbedingt preis, was sie denken und vorhaben.

Das Porträt des Rentnerehepaares zeigt: Trotz der Maskerade der untere Hälfte ihrer Gesichter, ist die Wärme und Verbundenheit der beiden auf Anhieb sichtbar. Tiefe Lachfalten rund um die Augen erzählen von der Freude, die das Paar nach mehr als 60 Ehejahren aneinander findet. Die Idee zu dem Fotoprojekt „#behindthemask“ kam Marcel Gregory Stock, als er im Supermarkt einen Flirt zwischen einem Kunden und einer Kassiererin beobachtete.

 

Individualität zeigt sich in der Wahl der Maske

Sie sind sich sympathisch und nehmen intensiven Blickkontakt auf, lachen mit ihren Augen. Beiläufig wechselt die Kassiererin ihre Maske. Offenkundig, um dem charmanten Mann für einen kurzen Moment ihr Gesicht zu zeigen. In 60 deutschen Städten hat der Fotograf rund 160 Menschen porträtiert. Darunter Prominente und Politiker wie Ben Becker, Dieter Hallervorden und Jens Spahn. Aber auch Freunde, Verwandte und völlig Unbekannte posieren für Stock mit und ohne ihre Maske: Männer und Frauen, die in der Pflege arbeiten, bei der Feuerwehr oder der Polizei. „Ich bin fasziniert von der Kreativität und Anpassungsfähigkeit der Menschen, die Maske schnell in ihre Lebenswelt zu integrieren“, begeistert sich der Fotograf.

Im Bildband sind über 150 bewegende Porträts zu sehen. Im Verlauf des Jahres 2020 startete der Fotograf Marcel Gregory Stock das Fotoprojekt #behindthemask, das den Zeitgeist zwischen Ohnmacht und Hoffnung, Trauer und Humor kaum besser wiedergeben könnte. Ausdrucksstarke Fotografien, von der Kassiererin bis zum Künstler, vom Make-up-Artist bis zum Minister, bilden einen Querschnitt unserer Gesellschaft und ergründen die Gefühle und Geschichten hinter der Maske.

Erinnerung an die Zeit der Pandemie

Die Bilder erinnern an die ersten Monate der Pandemie, als Mund-Nasen-Bedeckungen Mangelware sind. Sogar in Gefängnissen wurde die Serienproduktion von Mund-Nasen-Bedeckungen angefahren. Der  Magdeburger Bischof Gerhard Feige lässt sich aus seinem violetten Scheitelkäppchen – dem Pileolus – eine Maske schneidern. Violinistin Sabrina Werner entscheidet sich für einen Stoff mit grünen Glitzerpailletten, Unternehmer Harald Meisenbach wählt als Motiv sein Lieblingstier. Auf seinem Gesichtsschutz grinst in Mundhöhe ein breitmäuliger Froschkönig. So, als warte er auf eine Prinzessin. Masken mit „Moin“, Regenbogenfarben oder „Kiss me“, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Nase voll von Masken

Der Autor Björn Eenboom – selbst Träger einer Maske mit Schottenkaro – ergänzt die Bilder durch Interviews, in denen die Fotografierten berichten, wie Covid 19 ihren Alltag verändert hat. Nach einem Jahr Pandemie haben wir „die Nase voll“ von Masken und Maskeraden. Alles haben wir bereits mehrfach gesehen und gehört. Tagtäglich sind wir damit konfrontiert. Die medizinischen Masken FFB 2 oder die OP-Masken lassen keine Individualität zu. Einheitlich in Weiß und in einen hellen Blauton werden Menschen damit vereinheitlicht. Und doch ist das Buch eine zeitgeschichtliche Dokumentation. Auf diese werden wir bestimmt zurückschauen können. Zurückbeamen zu können in die Coronakrise mit erinnernden Bildern, das wäre schön. Zu diesem Zeitpunkt bräuchte es keine Maske mehr.

 

 
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