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Pastorale Informationen
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Mittagspause mit Msgr. Dr. Michael Bredeck, Bereichsleiter „Pastorale Dienste“

Im Rahmen der Ausgabe der „information“ zum Thema „Wandel in Kirche – Kirche im Wandel“ konnten wir Monsignore Dr. Michael Bredeck interviewen.

Als Verantwortlichen für den weiten Bereich „Pastoral“ also auch Jugendpastoral wollten wir ihn hören.

Dies war bei einer Mittagspause möglich. Das Gespräch mit ihm wurde geführt von Bernhard Leifeld und Stefan Drießen (Redaktionsmitglieder der information).

"Wandel in Kirche - Kirche im Wandel"
Drießen

Beginnen wir mit ein paar Fragen zum „Christ sein“: Wie lange Sind Sie denn schon Christ?

Bredeck

Seit meiner Taufe am 26. April 1970.

Drießen

Einer der wenigen, der sein Taufdatum kennt.

Bredeck

Das weiß ich nur, weil ich weiß, dass ich genau einen Monat nach meiner Geburt getauft wurde.

Drießen

Woran haben Sie Ihre Berufung erkannt?

Bredeck

Die zum Christen oder zum Priester? Oder die zum Menschen… Ich frage das so zurück, weil mir seit meiner Zeit in der Berufungspastoral (2006-2009) dieser Dreischritt sehr wichtig geworden Berufung zum Mensch sein – Berufung zum Christ sein – Berufung in einen konkreten Dienst als Jünger oder Jüngerin. Ich finde, das ist eine wichtige Frage, wenn von der Berufung die Rede ist: Was genau ist gemeint?

Drießen

Was ist es für Sie?

Bredeck

Ich halte es für weise, dass die Kirche von diesen drei verschiedenen Berufungen spricht, weil alle drei aufeinander aufbauen und sich gegenseitig brauchen. Ich würde sagen, die Berufung zum Christsein ist sicherlich heute die Fundamentalkategorie: Das Weiterleben des christlichen Glaubens in unseren Breiten wird davon abhängen, ob es bewusste Christinnen und Christen gibt. Deswegen haben wir diesen Berufungsaspekt schon 2014 ins Zukunftsbild aufgenommen. Da geht es ums Christ sein, Christ bleiben und auch Christ werden. Das ist der Fokus mit dem ich unterwegs bin und von dem ich mir wünsche, dass er in der gesamten Pastoral stärker als Schlüssel verstanden wird. Und wenn ich das auf mich persönlich reflektiere, stelle ich mir die Frage, was mich motiviert, Christ zu sein, Christ zu bleiben und, in dem Sinne auch immer wieder neu, also besser, vertiefter zu werden.

Drießen

Wozu sind Sie denn berufen?

Bredeck

Ich würde es heute für mich so sagen: die grundlegende Berufung ist es, mein Leben in Gottvertrauen und Menschenfreundlichkeit zu führen und das ist erst einmal die Taufberufung.

Mein Priestersein, meine Priesterberufung, habe ich intensiv in der Zeit meiner Priesterausbildung reflektiert und das tue ich natürlich auch weiterhin. Nur ist mir erst nach und nach, auf jeden Fall nach der Priesterweihe, existenziell bewusst geworden, dass dem Priestersein die grundlegende Berufung zum Menschsein und zum Christsein vorausgeht. Das war für mich in der Ausbildungszeit gar nicht so bewusst.

Und heute glaube ich, dass das auch insgesamt das Hauptproblem der überkommenen volkskirchlichen Pastoral ist und dass genau dieses Voraussetzen der beiden ersten Berufungsdimensionen jetzt nicht mehr funktioniert. Daher trenne ich sie nicht. Ich bin Priester und ich bin das gerne, und ich würde sagen, immer noch aus Überzeugung. Aber mein Priestersein würde ich nicht solitär als eigene Berufung noch über meine Berufung als Christ oder das Mensch sein drüber legen, sondern eher zugeordnet verstehen. Das Wichtigste und Verbindende ist die Kopplung von Gottvertrauen und Menschenfreundlichkeit.

Drießen

Gibt es etwas, was Sie benennen können, was sich ganz persönlich verändert hat, dadurch dass Sie Ihre Berufung reflektiert haben?

Eine Spur Jesu führt von mir zum Anderen und auch vom Anderen zu mir.
Bredeck

Mir ist über die Jahre immer deutlicher geworden, dass es im Kern beim christlichen Verständnis von Berufung um eine Verbindung mit Jesus Christus geht. Für mich war die Beziehung zu Gott dem Vater immer die Basis. Über die Jahre ist es mir wichtiger geworden, das menschliche Antlitz Gottes in Jesus Christus zu entdecken und auch mit ihm in eine persönliche Verbindung zu kommen.

Ich habe vor einigen Jahren in meiner eigenen Reflexion eine Formulierung gefunden: eine Spur zu Jesus. Ich frage mich: Wird für mich subjektiv deutlich, dass von einem Menschen, dem ich gegenüber sitze, mit dem ich in Verbindung stehe, eine Spur zu Jesus führt? Und führt von mir für andere subjektiv erkennbar irgendeine Spur zu Jesus? Mir ist klar, das lässt sich nicht objektiv beschreiben, aber ich glaube, dass ein Gegenüber das irgendwie merken kann und es war, als ich das für mich so formuliert habe, der ins Wort gebrachte Weg der Gotteserkenntnis.

Leifeld

Das ist ja auch eine Garantie, dass das Leben spannend bleibt und dass jede Beziehung spannend bleibt und werden kann.

Bredeck

…und sich verändern kann. Die Dynamik der Veränderung ist ja im Grund eine Beziehungsdynamik und auch die Kirche verändert sich deswegen, weil sie eben auch ein Beziehungsinstrument ist und nicht irgendein Sachgegenstand.

Drießen

Jetzt sind wir schon beim Thema Veränderung in der Kirche. Wir sind ja noch bei den Einstiegsfragen. Was wäre denn mit einer kurzen Antwort aus Ihrer Sicht das wichtigste in SEINER Kirche?

Bredeck

Dass in der Kirche eine Spur zu Jesus gefunden werden kann.

Drießen

Jetzt sagten Sie am Anfang, Sie sind zum Christ sein berufen, zum Priester und zum Mensch sein. Was hat sich denn aus Ihrer Sicht seitdem positiv in der Kirche verändert?

Bredeck

Ich empfinde in der Kirche sehr viel Positives, aber natürlich sehe ich jetzt erst einmal, dass die Kirche in erheblich schwierigere Fahrwasser gekommen ist. Zugleich spüre ich auch, dass das Bewusstsein für die Jesusnähe bei immer mehr Leuten wächst, und dass das ja auch ein Grund für die Kirchenkritik ist.

Insgesamt ist die Kirche in unserer Gesellschaft natürlich auf längere Sicht in einem permanenten Krisenmodus und nicht nur in einem Veränderungsmodus. Natürlich sind Veränderung und Krise miteinander verbunden, aber die Kirche steht vor einer großen Aufgabe, nämlich ihre konkrete, lang gewachsene soziale Gestalt zu verabschieden. Das kostet unglaublich viel Kraft, aber diese Aufgabe lässt sich nicht ablegen. Das müssen wir, die die Kirche in unseren Breiten und auch in unserem Erzbistum bilden, durchstehen, glaube ich. Es wächst viel in der Kirche in kleinen Pflänzchen und da bin ich auch sehr optimistisch, dass sich das durchsetzen wird, aber das dauert länger und es wird auch noch viel Kraft und Geduld und Entschiedenheit brauchen, diese Pflänzchen beim Wachsen zu unterstützen.

Alleine, wenn ich in unseren Bereich Pastorale Dienste hineinschaue, bin ich wirklich begeistert. So waren für mich die digitalen Gottesdienste, die wir miteinander gefeiert haben, das freie Gebet per Chat, beispielsweise sehr eindrucksvoll. Das ist jetzt nur ein ganz kleines Beispiel, etwas, das es in dieser Form vielleicht vor drei Jahren noch nicht gab.

Drießen

Ist das auch das oft verwendete „sprachfähig werden im Glauben“, das sich weiterentwickelt hat?

Bredeck

Ja genau, sprachfähig werden über den Glauben bzw. von dem eigenen Glauben tatsächlich sprechen, ihn zeigen und nicht verbergen, auch unvollkommen ins Wort zu bringen.

„Gottvertrauen und Menschenfreundlichkeit leben und kleine Pflänzchen für die Zukunft setzen“
Leifeld

Und das Gefühl zu kriegen, nicht alleine damit zu sein. Wie würdest Du Jugendarbeit einschätzen bei uns im Erzbistum oder welche „Pflänzchen“ würdest du in der Jugendarbeit einpflanzen wollen?

Bredeck

Jetzt muss ich sagen, alles was ich dazu sage ist eher auf einer Metaebene. Ich mache ja keine Jugendarbeit. Aber was ich mir wünsche, ist, dass junge Leute, die in kirchlicher Jugendarbeit, ob in Verbänden oder in der Ministrantenpastoral, in den Schulen oder in der Jugendsozialarbeit oder wo auch immer, Unterstützung dabei erhalten, eine Spur zu Jesus zu finden. Ich kann das nur wiederholen. Ich glaube, das gehört zur kirchlichen Jugendarbeit dazu. Also nicht nur implizit, sondern auch explizit.

Ich will das nicht gegeneinanderstellen, denn ich sehe sowohl das diakonische als auch missionarische in der Jugendarbeit. Und ich bin froh, dass wir ein Evangelisierungsteam im Erzbistum haben, das die Verschränkung von beiden sehr stark herausgearbeitet hat. Natürlich geht es in einer kirchlichen Jugendarbeit auch immer darum, Menschen in der Beziehung zu Jesus Christus zu fördern, denn das macht sonst keiner. Das ist unser Spezifikum. Dass das heute total anspruchsvoll ist, ist mir auch klar, auch dass es dazu anderer Wege bedarf als in meiner Jugend oder in meiner Vikarszeit, aber das wäre so ein Pflänzchen.

Oder man kann es auch anders sagen: Gottvertrauen und Menschenfreundlichkeit – diese Kopplung zu spüren. Dass wir, wenn wir Gott vertrauen, auch gleichzeitig der Menschenfreundlichkeit Gottes vertrauen und ihr ein Gesicht zu geben versuchen. Oder umgekehrt: wenn wir versuchen, Menschenfreundlich zu sein, das als Christen zu tun, weil wir an Gott glauben, weil Gott ein Freund der Menschen ist…diese Kopplung sichtbar zu machen – und nicht aufgesetzt, sondern glaubwürdig, das wäre mir wichtig.

Drießen

Sie haben ja wahrscheinlich auch in der Berufungspastoral und Ihrer pastoralen Praxis mit jüngeren Menschen zu tun gehabt. Nehmen wir mal an, es würde eine Wunschfee vorbeikommen , Was sollte sie tun, damit es in der Jugendarbeit noch anders wird oder was müsste sie kreieren damit es zu dieser Jesusbeziehung kommen kann? Gibt es da einen Wunsch, den Sie ihr sagen würden?

Bredeck

Sie müsste möglichst viele Menschen in Kontakt mit Jesus bringen und irgendwie Freude daran oder Erfahrungen generieren, die anderen Leuten sagen lassen: „Ich bin gerne Freund oder Freundin von Jesus.“ Das muss ja nicht groß sein, aber ein wichtiges und beständiges Element des Lebens.

Ich glaube, die Zukunft der Kirche wird daran hängen, dass sie diese Thematik wirklich aufnimmt. Die Kirche ist eben nicht nur eine NGO, nicht nur ein Sozialverein. Das ist für eine menschenfreundlich ausgerichtete Kirche absolut wichtig, aber es ist noch nicht das Spezifikum der Kirche. Ich finde, es muss schon jede(r) reflektieren, der oder die sich in der Kirche engagiert: Wo hat das, wofür ich mich einsetze, mit Gott oder mit Jesus zu tun? Da würde ich auch gerne diskutieren mit Leuten, die das anders sehen.

Leifeld

Man kann das ja gut fokussieren auf Deine Fragestellung „wo finde ich hier in der Jugendarbeit, in Jungen Menschen, die Spuren Jesu? Die finde ich ja in jedem diakonischen Schritt genauso wie in einem evangelisierenden Schritt.“ Da gibt es ja reichlich Vorlagen.

Bredeck

Diakonisch ist ja evangelisierend in diesem Sinne.

„Pastorale Zentren sind eine Ablösestruktur für die Flächendeckung“
Drießen

Ich glaube die Nächste Frage ist öfter schon bei Pastoralwerkstätten oder bei der Pastoralwerkstatt für den Bereich Pastorale Dienste beantwortet worden. Wenn wir auf das Zielbild 2030+ schauen und dort im weitesten Sinne auch von den Pastoralen Zentren gesprochen wird, wo sehen Sie da die Jugendpastoral?

Bredeck

Das ist eine Frage, die ich beim FORUM-Leitungsteam auch schon mal gestellt habe. Die würde ich jetzt nicht beantworten wollen in so einem Interview. Ich frage mich und Euch: braucht es spezielle Orte für Jugendpastoral übers Bistum verteilt? Ein Netzwerk von Tabor und Spice und anderen solchen Jugendspirituellen-Zentren? Ist das der Weg? Und wenn ja, wie koloriert sich das liturgisch, diakonisch, evangelisierend usw.? Ist es das, was wir wollen? Denn deswegen habe ich auch die Frage nach Jugendkirchen gestellt.

Wir werden in den nächsten Jahren durch das Immobilienkonzept sicherlich viele Kirchenräume haben, die aufgegeben werden sollen. Ist das ein Wunsch der Jugendarbeit oder eine Idee, einzelne dieser Kirchen ausschließlich für Jugendpastoral, nicht nur für Liturgie, zu nutzen? Das ist eine Frage, die ich stelle, aber gar nicht selber beantworten möchte.

Eine andere Sichtweise sagt: in jedem Pastoralen Raum muss es irgendwas im Bereich z.B. Jugendpastoral geben. Dann ist die Frage: Was ist es dann? Wer verantwortet das usw.? Ich hab da keine Favorisierung. Wenn Sie mich jetzt persönlich fragen, dann würde ich sagen, ich bin von übergreifenden Zentren eher überzeugt als von einer Flächendeckung. Aber ob das auch wirklich der Passung der Jugendlichen oder jungen Erwachsenen entspricht, das weiß ich nicht. Die einen sagen, die Jugendlichen sind sehr ortsorientiert und andere sagen, sie sind sehr mobil. Und dann kommt noch das dritte dazu, das Digitale. Das müsste in der Jugendpastoral viel stärker als „Konfiguration“ zugrunde gelegt werden. Ich glaube, auch heute gibt es schon digitale Communities, die keine physische Nähe brauchen. Jetzt habe ich ein paar Beispiele genannt für Fragen, auf die ich durch einen Meinungsbildungsprozess gerne eine Antwort hätte.

Wir müssen uns als Bistum in den nächsten Jahren entscheiden, wo wir investieren wollen: in Zentren, z. B. jugendpastorale Zentren, wie gesagt, das kann ich mir gut vorstellen, neben dem Jugendhaus und neben den Verbänden z.B. auch in die Ministrantenpastoral … für so ein Bistum ist vielleicht auch die Ministrantenpastoral ein „pastorales Zentrum“.

Diese pastoralen Zentren sind vermutlich so etwas wie eine Ablösestruktur für die Flächendeckung. Ich nehme aber wahr, dass es dazu unterschiedliche Verständnisse gibt, seit dies im Zielbild 2030+ formuliert ist. Und deswegen werden wir im Bereich Pastorale Dienste versuchen, bis zum Sommer nächsten Jahres zu klären, was wir unter diesen Zentren verstehen können. Was ich in den letzten Monaten gelernt habe, ist dass Zentren ohne die Frage nach Zukunft der Territorialpastoral nicht zu denken sind. Das ist bei mir ein Erkenntniszuwachs, der sich durch Gespräche entwickelt hat.

Drießen

Kirchliche Jugendarbeit geschieht in Jugendspirituellen Zentren, Jungen Kirchen, in den  Jugendfreizeitstätten, in der Jugendverbandsarbeit, den Jugendbildungsstätten bei der Ministrantenpastoral und bei allen, die diese und weitere Projekte ermöglichen. Wo sehen Sie da die Stärken in den unterschiedlichen Profilen?

Bredeck

Ich traue mir nicht zu, da eine qualifizierte Antwort zu geben. Ich würde aber sagen, die Stärke ist eben diese Vielfalt, die unterschiedlichen Zugänge, die alle berechtigt sind, aber die ich nicht in ein Ranking bringen möchte. Nur wird so ein Ranking ein bisschen erwartet von außen durch die geringer werdenden Ressourcen. Und da müssen wir jetzt in einen internen Klärungsprozess gehen, wie wir alles besser miteinander verknüpfen, durchlässiger machen.

Drießen

Die Frage hätten wir auch am Anfang stellen können: Wo hatten Sie denn zuletzt im Bereich Pastorale Dienste zur Jugendarbeit/Jugendpastoral Berührungspunkte? Und was hat Sie an dieser Begegnung, vielleicht auch an diesem speziellen Ort, fasziniert?

"Verschiedene Sparten der Jugendpastoral kamen zum Tragen."
Bredeck

Das letzte war der Instagram-Kanal von Youpax. Da habe ich mir nämlich die Sachen von Louder than before angeschaut und dann gab es in der Liboriwoche die Einführung von Pfr. Tobias Hasselmeyer. Mich hat bewegt, dass da einfach Menschen unterwegs waren, die was spürbar Lebendiges zum Ausdruck gebracht haben, die dort nicht was ableisten, sondern was wollen, mit denen was los ist. Ich war zwar nicht bei z.B. Louder than before, aber von meinem Eindruck her waren das sehr authentische Menschen.

Und dieses Segensgebet, das wir für Tobias Hasselmeyer im Dom hatten, das war auch sehr bewegend, weil die verschiedenen Sparten der Jugendpastoral im Bistum dort eben zum Tragen kamen. Wo Leute sichtbar werden in ihrer Unterschiedlichkeit, da bin ich immer total begeistert. Oder auch vor zwei – drei Stunden hatte ich Kontakt mit einem Pfadfinderkuraten, weil ich den privat kenne, auch das sind solche „Berührungspunkte“, nach denen Sie fragen.

Leifeld

Siehst Du Wachstumspotential, wenn Du an Jugendarbeit denkst, für junge Leute, aber auch für eine „junge Kirche“?

Bredeck

Ich wünsche mir das. Ich bin auch davon überzeugt, dass es das gibt, wenn es genug Leute gibt, die das symbolisieren und zum Ausdruck bringen. Per se, also quasi garantiert. gibt es das sicher nicht. Es braucht immer Menschen, die das, nicht in der Theorie, sondern in der Realität, symbolisieren.

Wir müssen natürlich auch über das Thema Missbrauch bzw. Prävention noch nachdenken. Mir ist nur wichtig, die Sensibilität für die Gefahren, die Ambivalenzen von Charisma und Struktur, im Blick zu haben. Auf junge Leute hin gesagt ist das natürlich absolut wichtig, sehr sensibel zu sein und deswegen ist die Präventionsarbeit auch so bedeutsam. Der Fokus auf Achtsamkeit muss in Zukunft so erhalten bleiben, wie es jetzt ist. Das ist auch für die spirituelle Entwicklung von Menschen extrem wichtig, dass sie in Freiheit wachsen können.

Drießen

Das heißt, es ist schon auch einer der wichtigsten Punkte, dass es im Glauben auch immer um die Freiheit geht. Dass Prävention nicht nur bei sexuellem Missbrauch anfängt, sondern auch bei Machtmissbrauch und gerade vielleicht auch wenn es um charismatische Umfelder geht.

Bredeck

Ja, jeder Verantwortliche muss da einfach sensibel sein. Ich habe mittlerweile viel in den verschiedenen Missbrauchsstudien gelesen. Es ist dort dokumentiert, wie auch im Bereich von Jugendpastoral Täterstrategien richtig perfektioniert werden können. Gerade in der Jugendarbeit muss deshalb der Schutzgedanke auf diesem hohen Niveau wie er jetzt ist verbleiben, das wollte ich nur sagen.

Und das wirkt ja auch über die Prävention von sexualisierter Gewalt oder von Machtmissbrauch weit hinaus. Das hat mit dem Menschenbild insgesamt zu tun. In Freiheit setzen, wirklich den Menschen zum Subjekt seiner selbst werden zu lassen.

Drießen

Ich habe herausgefunden, dass Sie bei der Arbeitshilfe der Deutschen Bischofskonferenz mitgewirkt haben: „In der Seelsorge schlägt das Herz der Kirche“. – Wofür schlägt ihr Herz auch heute noch? Was wünschen Sie den hauptamtlichen und ehrenamtlichen Engagierten in der Jugendarbeit?

„Freunde Gottes und Freunde der Menschen: Menschenmöger“
Bredeck

Ich komme nochmal auf diese Kopplung von Gottvertrauen und Menschenfreundlichkeit zurück. Ich habe mich viel mit Papst Johannes XXIII beschäftigt. Ich kann dazu nichts Besseres sagen, als er es bezeugt: Freunde Gottes und Freunde der Menschen zu sein, das ist, was ich mir persönlich als Lebensprogramm sozusagen gewählt habe und von dem ich auch sehe, dass es glücklich machen kann. Und das ist es auch, was ich möglichst vielen Menschen in der Kirche wünschen würde, dass sie diese Erfahrung, sowohl persönlich wie in ihrem Tun, auf andere Menschen und auf sich selbst hin machen können. Gottvertrauen erleben und selber auch als Quelle erfahren und bezeugen und Menschenfreundlichkeit oder Menschenliebe ebenfalls erleben und bezeugen.

Es wird zum Problem in der Pastoral, sowohl im Haupt- wie im Ehrenamt, wenn Menschen eigentlich keine „Menschen mögen“, eher sich zurückziehen möchten. Pastoral lebt von „Menschenmögern“, von Gottes- und Menschenfreunden. Ich wünsche einfach, dass das die Grundmelodie in unserer Kirche ist. „Ich glaube an einen Gott, der singt. ER singt als schönstes Stück: die Liebe und das Glück“ Da ist es wunderbar ausgedrückt. Das singe und bete ich auch gerne persönlich.

Drießen/Leifeld

Jetzt wird es – glauben wir – Zeit, den Nachtisch zu holen. Herzlichen Dank für das Gespräch in der Mittagspause.

StefanDrießen

Spirituell-missionarische Jugendpastoral
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