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Pastorale Informationen
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„Gemeinschaftlich Entscheidungen auf geistliche Weise treffen“

Hier finden Sie Hinweise und Anregungen für den Umgang mit dem Thema "Gemeinschaftlich Entscheidungen auf geistliche Weise treffen", sowie Downloads und Kontakangebote:

Die Veränderung der Rahmenbedingungen fordert von Gemeinden und Teams immer häufiger Grundsatzentscheidungen. Sie lassen sich nur dann gut treffen, wenn die Realitäten vor dem Hintergrund des Auftrags betrachtet und erwogen werden, mit dem Gott uns in die Welt gestellt hat.

 

Im Zukunftsbild beschrieben …

Im Zukunftsbild (S. 59) wird die geistliche Fundierung als besonderes Qualitätsmerkmal von Entscheidungen eingeführt.

 

Worin besteht die Herausforderung

Die Transformationen des kirchlichen Lebens machen es notwendig, die Ziele und die dazugehörigen Mittel pastoralen Handelns reflektiert immer wieder neu festzulegen.

Wenn sich die pastorale Arbeit aus der Sendung Christi ableitet, dann müssen pastorale Entscheidungen geistlich begründet sein.

Was muss ich wissen, um das Thema anzugehen?

  • Solide Grundkenntnisse in der geistlichen Tradition des Christentums.
  • Grundregeln des geistlichen Entscheidens
  • Geistliche Entscheidungen setzen klare und realistische Alternativen voraus.

Eine Arbeitshilfe

„Unterscheidung der Geister“ im Rahmen der Konzeptentwicklung

Gemeinschaftlich Entscheidungen auf geistliche Weise treffen

Die Idee

Die tiefgreifenden Veränderungen der pastoralen Landschaft machen viele grundlegende Entscheidungen notwendig, für die pragmatische Kriterien zu kurz greifen.  Geistliche Entscheidungen können nicht nur von Einzelnen für ihr Leben getroffen werden, sondern auch in Gruppen für deren Belange  Geistliche Entscheidungen sind keine irrationalen Gefühlsangelegenheiten.

Der Fall

Nach zweijähriger Tätigkeit in Italien steht die Gruppe von Priestern um Ignatius von Loyola, die sich dem Papst für pastorale Aufgaben zur Verfügung gestellt hat, im Frühjahr 1539 an einem kritischen Punkt. In einem dreimonatigen geistlichen Reflexionsprozess mit Höhen und Tiefen trifft die Gruppe im Konsens eine Grundsatzentscheidung, wie sie ihre pastorale Arbeit bestmöglich fortsetzen können. Über diesen Vorgang wurde ein Ergebnisprotokoll verfasst, das die Methode der „Gemeinschaftlichen Erwägung“ exemplarisch darstellt und als Anleitung für ähnliche Prozesse der geistlichen „Selbstordnung“ gedacht ist.1 Vgl. 1539. In drei Monaten. Die Weise, wie sich die Gesellschaft geordnet hat, um einem aus ihr Gehorsam zu leisten, in: Ignatius von Loyola, Gründungstexte der Gesellschaft Jesu, übers. von Peter Knauer, Würzburg 1998: Echter, 291-296.

Es geht um die Selbstorganisation eines pastoral arbeitenden Teams als Reaktion auf eine sich verändernde Situation (konkret: die zunehmende Entsendung von Gruppenmitgliedern zu „Auslandseinsätzen“ auf Wunsch des Papstes), die ein Weiterso unmöglich machen.

 

Vielfalt der Meinungen

Im Protokoll wird explizit festgehalten, dass im Freundkreis um Ignatius nicht nur divergierende Auffassungen zusammenkommen, sondern auch unterschiedliche Mentalitäten („Nationalitäten“). Geistliche Entscheidungsfindung setzt also keine homogene Gruppe und keinen Konsens voraus.

Die Voraussetzungen für Entscheidungen schaffen

Um einen guten Entscheidungsfindungsprozess starten zu können, sind einige wichtige Weichenstellungen und Vorarbeiten notwendig:

1) Definieren des Handlungsbedarfs: Es muss klar sein, welche Entscheidungen zu welchem Zeitpunkt dran sind und welche nicht.

2) Orientieren am Willen Gottes: Bei aller Uneinigkeit über das weitere Vorgehen verbindetdie Gruppe um Ignatius der Wunsch, „den Willen Gottes zu suchen“.

3) Das eigentliche Ziel vor Augen haben: Es geht um die Entfaltung des Lebens auf eine Weise, die die menschliche Existenz zum „Lobpreis Gottes“ werden lässt. Alle anderen Aktivitäten (gerade auch in der Pastoral) sind Mittel zu diesem Zweck.

4) Realistische Handlungsoptionen: Ignatius und sein Kreis gehen nicht in den geistlichen Prozess, um sich bei der Suche nach Optionen inspirieren zu lassen. Ihre Handlungsoptionen sind beim Eintreten in den geistlichen Prozess bereits klar definiert und realistisch,

Es muss nicht alles sofort und gleichzeitig entschieden werden. Die Folgefragen zur Ausgestaltung der Ordensstruktur erfolgt Schritt für Schritt in den folgenden Jahren. Wichtig ist es daher die wesentlichen Grundfragen zu identifizieren.

5) Einnehmen der richtigen Grundhaltung: Eine gute geistliche Entscheidung setzt die Haltung der Indifferenz voraus. Geistliche Indifferenz bezeichnet die Haltung der Freiheit von persönlichen Neigungen, eigenen Bedürfnisse und Abhängigkeiten und der Offenheit für Gottes Stimme.

6) Für Gruppen, die in den Exerzitien ungeübt sind, kann eine geistliche Begleitung hilfreich sein.

 

Der Ablauf

Grundsätzlich gilt:

  • Geistliche Entscheidungen müssen nicht in aufwendigen Klausurtagungen getroffen werden. Die Gruppe um Ignatius nimmt die Fragen in ihren pastoralen Arbeitsalltag mit und trifft sich abends zum Austausch.
  • Wer sich auf eine geistliche Entscheidungsfindung einlässt, hat keine Garantie für einen gleichmäßig und glatt verlaufenden Prozess, der schnell Ergebnisse zeitigt.

 

1. Phase: Eine schnelle Entscheidung Bereits am ersten Abend kommt der Freundeskreis zum Konsens über die erste Frage. Eine Auflösung der Gruppe wird verworfen.

2. Phase: Die Krise

Nach diesem ersten schnellen Erfolg setzt die Gruppe ihre Treffen „viele Tage“ lang fort, ohnejeden Fortschritt.

3. Phase: Überprüfung der Methode Der Freundeskreis schaltet daher eine Einheit zur Reflexion der Vorgehensweise ein: Sie erwägen und verwerfen die Idee, in Klausur zu gehen, um zu einer Lösung zu kommen. Sie beschließen aber intensiver an der Grundhaltung der Indifferenz zu arbeiten.

4. Phase: Wiederaufnahme der Erwägung

Obwohl er Prozess nun wieder längere Zeit beansprucht – im Ganzen sind es drei Monate – scheint die Gruppe die Entwicklung nun als fruchtbar erlebt zu haben. Die gesammelten Argumente münden in einen Konsens der Teilnehmenden.

5. Phase: Die Entscheidung

 

Am Ende stehen

  • ein von allen getragener Konsens;
  • eine Sammlung von gemeinsam erarbeiteten Gründen für die Entscheidung, die es ermöglichen das Ergebnis auch nach außen zu begründen;
  • die Weichenstellung für die Folgefragen

 

Einige ergänzende Hinweise zur Methode aus den „Geistlichen Übungen“

In den Geistlichen Übungen unterscheidet Ignatius drei Weisen, der geistlichen Entscheidungsfindung (GÜ 175-177):

  • Es gibt Fälle, in denen Menschen Gottes Wille für ihr Leben mit großer Sicherheit schlicht und einfach „einleuchtet“. Die Entscheidung der ersten Apostel, ihre Arbeit als Fischer aufzugeben und Jesus zu folgen, scheint so erfolgt zu sein. Diese Klarheit und Eindeutigkeit ist allerdings eher selten gegeben.
  • Die zweite Weise beschreibt das übliche Vorgehen in Ignatianischen Exerzitien. Der Mensch muss in sich hineinhören und die entgegensetzten Regungen zu unterscheiden versuchen: Welche Regungen sprechen für, welche gegen eine Wahl? Welcher Geist drückt sich in den widerstreitenden Regungen aus? Welchem darf ich folgen?
  • Die dritte Weise ist die der ruhigen Überlegung. Es werden Alternativen entwickelt und durch vernünftige Überlegung sowie im Gebet abgewogen.

Die „gemeinsame Erwägung“, die Ignatius und seine Gefährten 1539 anwenden, entsprichtder dritten Weise. Für sie findet sich in den Geistlichen Übungen eine ausführlichere Anleitung (GÜ 178-183):

  1. Fokussierung auf einen klar umgrenzten Gegenstand (zunächst auch nur auf eine Alternative)
  2. Um die Entfaltung des Lebens auf jene Weise zu ermöglichen, die die menschliche Existenz zum „Lobpreis Gottes“ werden lässt, ist eine indifferente Haltung gegenüber dem Wahlgegenstand notwendig.
  3. Entscheiden heißt, durch Überlegung die Gründe für die beste Alternative finden und sich diese Alternative dann auch zu Eigen machen: Man muss sie auch wirklich wollen. Geistlich entscheiden heißt, diese Wollen Gott anheimstellen: „Gott, unseren Herrn, bitten, er wolle meinen Willen bewegen und in meine Seele legen, was ich in Bezug auf die vorgelegt Sache tun soll, das mehr sein Lobpreis und seine Ehre ist, indem ich gut und getreu mit meinem Verstand nachdenke und entsprechend seinem heiligsten und wohlgefälligen Willen wähle“ (GÜ 180).
  4. Eintreten in die Erwägung: Die Vorteile und den Gewinn (später die Nachteile und die Gefahren), die sich aus der dieser Wahlalternative ergeben, auflisten und gewichten. Eine solche Erwägung in einem geistlichen Prozess ist nur möglich, wenn die Wertmaßstäbe durch die vorangegangenen Schritte richtig gesetzt sind. Es geht dabei nicht um gut und schlecht – alle erwägenswerten Alternativen müssen gut sein –, sondern um das Entdecken, was mehr zum obersten Ziel beiträgt.
  5. Von allen in der Gruppe – unabhängig von der eigenen Präferenz – werden zunächst pro-Argumente für die erste Alternative gesammelt, die dann gemeinsam kritisch reflektiert und gewichtet werden. Das soll verhindern, dass sich einzelne mit „ihren“ Gründen identifizieren und das Gespräch „persönlich“ wird. Genauso wird mit den contra-Argumenten verfahren. 
  6. Auf gleiche Weise werden alle Alternativen durchgegangen. 
  7. Am Ende wird die Entscheidung Gott im Gebet noch einmal anheimgestellt. Eventuell erfolgt dann auch noch eine Bestätigung im Sinne der zweiten Weise der Wahl, die sich an den inneren Regungen orientiert. 

 

Andreas Koritensky 

 

 

Wie kommt man im Pastoralen Raum zu Ergebnissen?

  • Geistliche Entscheidungen kosten Zeit.
  • Geistliche Entscheidungen setzen nicht voraus, dass alle in der Gruppe der gleichen Meinung sind.
  • Geistliche Entscheidungen sind nur aus einer Haltung der Großzügigkeiten heraus möglich.

Dr. 
Annegret Meyer

Abteilungsleitung - Glauben im Dialog
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