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Eine Knast-Krippe im Jugendvollzug zeigt Realität

22. Juni 2021
Gefängnis
Für ein Projekt der Entstehung einer neuen Weihnachts-Krippe mit inhaftierten Jugendlichen zusammen zu entwickeln und zu gestalten, hat das Team der Gefängnisseelsorge der ostwestfälischen JVA Herford seitens der Anstaltsleitung grünes Licht erhalten.

Für ein Projekt der Entstehung einer neuen Weihnachts-Krippe mit inhaftierten Jugendlichen zusammen zu entwickeln und zu gestalten, hat das Team der Gefängnisseelsorge der ostwestfälischen JVA Herford seitens der Anstaltsleitung grünes Licht erhalten. In der seelsorgerlichen Arbeit ist der Kontakt zu den Inhaftierten durch Gespräche, Gottesdienste und Anregungen zum Nachdenken wichtig. Im Gefängnisalltag spielen besonders Musik, Kunst und Kultur eine große Rolle. Symbole und Klänge können über das Wort hinaus wirksam werden. Anschaulich ist ebenso die Tradition der Krippe am Weihnachtsfest.

In der Weihnachtszeit zeigt die Tradition der Krippe die Botschaft auf. Es soll allerdings keine reine Darstellung und das Nachspielen der Geschichte um die Geburt Jesu aufgezeigt werden. Es geht um tiefere Lebensthemen, die dadurch anklingen. Der durch seine sozialkritischen Krippendarstellungen überregional bekannte Bildhauer Rudi Bannwarth aus Ettlingen bei Karlsruhe sind wir an einen Holzbildhauer gestoßen, der sich dies zur Aufgabe gemacht hat. Mit 15 Jahren begann Bannwarth eine Schreinerlehre, die ihm später als Basis für die Arbeit als Holzbildhauer diente. Anfang der 1990er-Jahre beschloss der 58 jährige sich zum Holzbildhauer weiterzubilden.

Rudi Bannwarth zeichnet im Handumdrehen eine Skizze eines der jugendlichen Inhaftierten.

Krippenfiguren interpretieren

Nach seiner Meinung verharren Motive und Darstellung zu sehr in der Vergangenheit. Aus diesem Wunsch entstand die Idee, Krippenfiguren modern zu interpretieren. Weihnachten ist im Gefängnis ein schwieriges Fest. Die Inhaftierten spüren besonders, wie sehr ihnen vertraute Menschen fehlen. Rudi Bannwarth wird mit inhaftierten Jugendlichen die Weihnachtsgeschichte auf heute übertragen. Da spielen Konfessionen und Religionen keine Rolle. Josef ist der Großvater, das Jesuskind der jugendliche Inhaftierte und Maria die Mutter des Gefangenen mit Anfang Vierzig. Großeltern spielen eine wichtige Rolle. Manche der Inhaftierten ist bei ihnen aufgewachsen. Oma und Opa nehmen ihren Enkel trotz vieler Abgründe an, wie er ist.

Die ersten drei Figuren werden die bereits Genannten sein. Nach und nach sollen Neue dazukommen: Ein Bediensteter, kartenspielende Jungs auf einer Bank im Freistundenhof und natürlich Ochs und Esel. Der Stern von Bethlehem schlägt in die Kulisse des Haftraums und des Knastes ein. Weihnachten will so gar nicht zum Gefängnis passen und doch ist es für viele ein Fest ihrer Hoffnung und Sehnsucht. Für die Gefängnisseelsorger ist es Grund genug, sich auf einen Prozess einzulassen. Die vorhandenen Holzkrippefiguren, deren Ursprünge nicht bekannt sind, spiegeln sehr schemenhaft die Geschichte wieder. Der Ochse wurde bereits mehrmals geklebt und die Darstellung der Dreikönige sind interpretierbar.

Die Kulisse: Der Haftraum und der Abteilungsgang im Jugendvollzug des über 140 Jahre alten Gefängnisses.

Knast-Krippe in der Gemeinde

Gemeinsam mit dem Künstler, der bereits vor Ort in der Justizvollzugsanstalt war, werden Motive und Symbole gefunden. In einer Gruppe von Jugendlichen zeichnet Bannwarth ihre Person und hört auf das, was sie ihm erzählen. Es wird weiter darüber nachgedacht, die Krippe im Tausch mit einer Krippe aus einer Kirchengemeinde einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dazu bieten sich die Gefängnisseelsorger als Gesprächspartner an, um über den vollzuglichen Alltag mit Jugendlichen zu berichten. Die Weihnachts-Krippe aus der Gemeinde könnte im Tausch im Knast zu Gast sein. Für dieses Projekt sind  finanzielle Beiträge als Spende willkommen. Info an king(at)jva-seelsorge.de

 

 
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