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Misericordias domini: Sich barmherzig begegnen

12. August 2021
Herford
Gefängnis
Misericordias domini: Dies ist der Name des zweiten Sonntag nach Ostern und leitet sich aus dem Eingangsgesang aus Psalm 89,2 ab. Misericordias Domini bedeutet übersetzt „die Barmherzigkeit des Herrn“. Die Inschrift ist auf der Knastglocke eingeprägt. Dazu kommt die Jahreszahl 1962.

Viel ist nicht bekannt über die Glocke auf der Kirche der JVA Herford. Nun ist sie für Reparaturarbeiten abgenommen. Schon lange hat das Läuten Probleme gemacht, denn sie wird nach wie vor über ein Seil per Hand in der Apsis der Kirche geläutet. Eine Besonderheit, die vor allem die inhaftierten Jugendlichen fasziniert.

Sie spüren mit ihren Händen wie sich ihre Kraft auf die wiegende Hin-und-her-Bewegung dieser Glocke überträgt. Mit zu wenig Kraft kommt sie gar nicht erst zum Schwiegen und mit zu großer Anstrengung schlägt sie fast über ans Mauerwerk. Die Kunst ist ein wohldosierter rhythmischer Zug und das Ergebnis kann sich hören lassen. Interessant ist nun, was da all die Jahre mit zeitweisen Unterbrechungen seit 1962 in Schwung gebracht worden ist. Von Barmherzigkeit wird im Vollzug zwar nicht gesprochen. Die große und die kleine Weihnachtsamnestie kommt dem aber nahe, wenn einer Vollstreckungsbehörden wie der JVA erlaubt wird, nach eingehender Prüfung anlässlich des Weihnachtsfestes Inhaftierte „im Gnadenwege“, wie heißt, vorzeitig zu entlassen. Aber was ist Barmherzigkeit und wo kommt sie noch vor?

Glocke der JVA als Mahnung

Viele meinen heute damit soziale Gerechtigkeit oder auch Solidarität oder auch die Situationen, in denen sich unser Herz noch anrühren lässt vom Schicksal anderer. Und sucht man die Antwort im Reden und Handeln Jesu Christi, dann ist man schnell bei seiner berühmten Rede, wonach der Menschensohn die Menschen beurteilt in Matthäus 25. Die Rede von den Werken der Barmherzigkeit, worunter auch die Besuche der Gefangenen gehören. (Mt 25, 36). Man könnte sagen: Die Glocke auf dem Dacht der JVA Herford läutet nicht nur zum Gottesdienst, sondern auch als Mahnung, die Menschen hinter Gittern nicht zu vergessen.

Ehrlich begegnen

Der Besuch, das Gespräch mit Inhaftierten ist ein Werk der Barmherzigkeit. Ich lasse mich und mein Herz anrühren, von diesem Menschen. Das schließt mit ein, dass mein Herz auch erstarren darf, wenn der Grund der Verurteilung mich erschreckt, auf Distanz bringt oder anekelt. Barmherzigkeit heißt in diesem Fall auch, dass ich aus meinem Herzen „keine Mördergrube mache“, wie der Volksmund sagt. Barmherzigkeit heißt, dem Menschen ehrlich begegnen ob vor oder hinter den langen Gefängnismauern. Und dazu läutet hoffentlich bald wieder unsere Glocke von der Kirche der JVA Herford.

Stefan Thünemann | JVA Herford

 
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